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Lesung aus dem Technologie-Thriller "Todesboten ohne Willen"
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Drittes Kapitel 
Der Dienst

Dr. Martin Steiner war mit sich und der Welt zufrieden. Die Frühlingssonne schien durch die Fensterscheiben in seinem Büro in Pullach und erhellte den Raum. Ihre wärmenden Strahlen schienen die gute Laune des BND-Vizepräsidenten noch zu verbessern. Steiner saß entspannt am Schreibtisch und hatte seine Beine darauf abgelegt. Bei seiner Körpergröße von nahezu zwei Metern ragten sie weit über den Tisch in den Raum hinein. Das galt in Deutschland zwar als unfein, tat aber den Venen in den Beinen gut und beugte Thrombosen vor. Es war eine Errungenschaft, die die Amerikaner nach dem Krieg zusammen mit Coca Cola, Kaugummi und Burger nach Deutschland gebracht hatten. Nicht alles war schlecht, was über den „Großen Teich“ in den vergangenen Jahrzehnten nach Europa gekommen war. Und aufzuhalten war es sowieso nicht. Er dachte dabei an den aussichtslosen Kampf der französischen Gastronomen gegen die Niederlassung von McDonalds im eigenen Land. Heute gibt es zahlreiche McDonalds-Filialen in ganz Frankreich und sogar an den „heiligen“ Plätzen in der Hauptstadt wie an der Notre Dame, an der Champs Elysees und am Grande Arche im modernen Geschäftsviertel von La Défense.

Steiner war kein besonders attraktiver Mann. Aber er hatte Charakter, wie man versöhnlich sagt, wenn es an Schönheit fehlt. Schon in jungen Jahren hatte er eine ausgeprägte Stirnglatze und einen Bauchansatz. Seine Nase war zu lang geraten und stand wie ein Turm im Gesicht. Das Auffälligste an ihm waren jedoch seine stahlblauen Augen und sein stechender Blick, mit denen er unliebsame Personen geradezu hypnotisieren konnte.

Andi Baumann war Steiners rechte Hand, dem die EDV-Abteilung des Dienstes und die innere Sicherheit unterstand. In jungen Jahren war er Berufssoldat bei den Fallschirmjägern und Ausbilder bei der Bundeswehr. Bei einer geheimen Mission in Afghanistan zur Unterstützung der aufständischen Mudschaheddin zusammen mit den Amerikanern gegen die damalige russische Besatzungsmacht hatte er sein linkes Bein bis zum Oberschenkel durch eine Tretmine verloren. Etwas, über das er nicht gerne sprach. Das Ersatzbein aus Holz verursachte bei ihm zeitweise Phantomschmerzen im nicht mehr vorhandenen Bein, die Baumann als Hinweise auf Wetteränderungen oder zukünftige, wichtige Ereignisse in der Weltgeschichte deutete. Zumindest er selbst glaubte fest daran.

Steiner und Baumann genossen es, dass der internationale Terrorismus offenbar eine Atempause eingelegt hatte und es im Dienst ruhiger zuging. Daran, dass er endgültig besiegt war, glaubten sie jedoch nicht. Aber schon seit einigen Monaten waren Anschläge ausgeblieben. Es herrschte Ruhe in Afghanistan, im Irak und Iran, und sogar im Nahen Osten. Noch bis vor kurzem gehörten Meldungen über Attentate in diesen Ländern wie der Wetterbericht zum täglichen Programm und wurden wie selbstverständlich zur Kenntnis genommen, ohne große Emotionen auszulösen. Steiner wirkte wie von einer riesigen Last befreit. Oder war es doch nur die berüchtigte Ruhe vor dem großen Sturm?

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Sechzehntes Kapitel 
Flug AF 247

Der Airbus A 380-800 der Air France mit der Flugnummer AF 247 stand abflugbereit auf der Startbahn des Flughafens Charles de Gaulle in Paris mit dem Ziel New York. Die Maschine war mit 850 Passagieren, vorwiegend französischen, amerikanischen und holländischen Geschäftsleuten und Touristen, bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die Flugroute führte über den Ärmelkanal und dann weiter über den Atlantischen Ozean, wobei eine Zwischenlandung in London vorgesehen war.
Mike und Carol Bainley saßen in der Economy Class auf den Sitzplätzen A und B der Reihe 47 im Mittelteil des Flugzeuges. Sie hatten eine einwöchige Hochzeitsreise nach Paris hinter sich. Der Mann im Reisebüro in den Staaten hatte ihnen den „Frühling in Paris“ mit einer solchen Begeisterung empfohlen, dass sie sich kurz entschlossen für die Reise angemeldet hatten. Beide waren in Axton City zuhause, einer kleinen, verschlafenen Stadt im mittleren Westen der Vereinigten Staaten, in welcher ein Großteil der Einwohner Baptisten waren. Mike nahm Carol bei der Hand und fragte, ob sie glücklich sei: „Are you happy?“
„Yes, I am very happy, darling”, gab sie zur Antwort und legte ihren Kopf an seine Seite. Die Stadt der Liebe und Liebenden hatte auch sie glücklich gemacht. Wie alle Amerikaner waren sie fasziniert von der Geschichte Europas, die so viel älter war und so viel mehr zu bieten hatte als die noch junge Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie hatten den Blick vom Eiffelturm auf die Millionenstadt genossen, den Louvre mit seinen großartigen Kunstschätzen besucht und waren auf der Champs-Élysées mit den zahllosen Restaurants und Cafés hinunter gebummelt. Sie hatten das Grab von Napoleon im Invalidendom besucht und eine Fahrt auf der Seine mit den gläsernen Booten von Bateaux Mouches unternommen. Im Schloss Versailles bestaunten sie den prachtvollen Gebäudekomplex mit Springbrunnen und Parkanlagen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. In der Notre Dame hatten sie ein Gebet für ihre glückliche Rückkehr gesprochen, denn beide waren gläubige Anhänger der Baptistenlehre.
Deshalb besuchten sie auch nicht das bekannte und von Touristen umschwärmte Amüsierviertel um den Place de la Pigalle, mit dem Striptease-Varieté Moulin Rouge und den zahlreichen Bordells. Dass der Titel der Hauptstadt Frankreichs „Stadt der Liebe“, sich auch auf diese Art von Liebe bezieht, war ihnen nicht bekannt und sie wollten es auch nicht wissen. Mike riskierte allerdings manchen verstohlenen Blick auf die leicht bekleideten Damen am Straßenrand, die freizügig ihre körperlichen Reize anboten, als der Reisebus bei der Stadtbesichtigung langsam durch den Bois de Boulogne, den berühmten Park inmitten von Paris, fuhr.

Flugkapitän Michel Dubroux wartete auf die Freigabe der Startbahn durch den Tower. Er war ein erfahrener Pilot mit mehr als zehntausend Flugstunden auf den Flugzeugen der Airbus-Familie. Die A 380-800, das größte Flugzeug der Airbus Industry mit einem Startgewicht von 560 Tonnen und einer Passagierkapazität von 853 Personen, flog er seit drei Jahren und bildete auch Piloten darauf aus. Als Berufsoffizier bei der französischen Luftwaffe Armée de l’air hatte er das Mehrkampfflugzeug Dassault Mirage 2000 geflogen.
Dubroux schob den Gashebel auf maximale Leistung ganz nach vorne. Die Schubkraft von 310.000 Newton der vier Rolls Royce-Triebwerke drückte die Passagiere in die Sitze und das Flugzeug nahm schnell Geschwindigkeit auf. Nach vierzig Sekunden und einer Wegstrecke von 3.000 Metern hob sich die Maschine in die Luft und schwenkte auf den Kurs nach London ein.

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Niemand schenkte dem arabisch aussehenden Fluggast in der ersten Reihe der Business Class besondere Beachtung, als er sein Handy aus der Tasche nahm, um ein offensichtlich wichtiges Geschäftstelefonat zu führen. Es war auch niemanden von der Besatzung aufgefallen, dass sich Flugkapitän Michel Dubroux anders verhielt als sonst und die Vorbereitungen zum Start, wie mechanisch durchführte. Der Copilot beobachtete seinen Kapitän mit zunehmendem Misstrauen. Die kleine Wunde im vorderen Kopfbereich, die durch einen Haarbüschel verdeckt war, entdeckte er jedoch nicht. Nach einer Flugzeit von einer halben Stunde war der Ärmelkanal erreicht und die Maschine ging in den Landeanflug auf den Flughafen Heathrow in London über. Dubroux‘ Körper durchlief ein Zucken und Schütteln. Seine Augen weiteten sich und sein Gesicht erstarrte. Er löste seinen Sicherheitsgurt und richtete sich auf. Mit einem gezielten Handkantenschlag gegen die Halsschlagader setzte er seinen Copiloten neben sich außer Gefecht. Dann verschloss er die Pilotenkabine von innen. Er änderte den Kurs der Maschine, zog eine scharfe Rechtskurve und flog den Hafen von Rotterdam an.

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Siebzehntes Kapitel 
Der Sky Marshal

In der dritten Reihe der Economy Class des Fluges AF 247 saß ein Mann, der durch den abrupten Kurswechsel der Maschine jäh aus seinen Gedanken gerissen wurde. Der Mann war sportlich gekleidet und machte einen durchtrainierten Eindruck. Er trug eine Levis-Jeans und ein kariertes, kurzärmeliges Freizeithemd. Unter seinen Hemdsärmeln zeichneten sich bemerkenswerte Muskelpakete ab. Seine Cowboy-Stiefel und die Kordel um den Hals, wiesen ihn als Touristen aus den südlichen Staaten der Vereinigten Staaten aus. Sein Haar war kurz geschnitten und streng nach hinten gekämmt. In seinem Gesichtsausdruck spiegelte sich Entschlossenheit und Stärke wider. Noch kaugummikauend löste er seinen Sicherheitsgurt und lief mit schnellen Schritten durch den Gang nach vorne in die Business Class.
„What’s the matter“, fragte er die bleiche Flugbegleiterin, mit der er fast zusammen gestoßen wäre.
„Die Piloten haben sich ins Cockpit eingeschlossen und den Kurs geändert. Da stimmt etwas nicht!“, antwortete sie mit aufgeregter, bebender Stimme.

Harry Brown war als verdeckter Flugsicherheitsbegleiter, auch Sky oder Air Marshal genannt, an Bord der Maschine. Er war ein ehemaliger US-Marinesoldat und trug als Spezialwaffe eine SIG Sauer P 229, Kaliber 9 Millimeter, im Schulterhalfter. Die kompakte Waffe mit kurzem Lauf war besonders für eine versteckte Tragweise geeignet. Bei Gebrauch der Waffe kam es darauf an, zu vermeiden, dass ein abgefeuertes Geschoss den Körper der Zielperson verfehlte und die Außenhaut des Flugzeuges oder wichtige Leitungen beschädigte. In großer Höhe könnte der Druckverlust durch ein Loch in der Außenhaut schon zu einem Absturz der Maschine führen. Die Federal Air Marshals waren ausgebildet, präzise und tödlich zu schießen, wobei Kopf und Brust bevorzugte Ziele waren, um zu verhindern, dass das Projektil den Körper durchschlug.

Der Amerikaner spuckte seinen Kaugummi in den Müllbehälter am Ende der Gangway. Er rüttelte an der Türe zum Cockpit und rief mit lauter Stimme: „Open the door. Immediatly!“
Keine Reaktion!
Im Augenwinkel erkannte Brown einen arabisch aussehenden Mann, der sich ihm von hinten genähert hatte. Bevor er jedoch reagieren konnte, erhielt er einen Faustschlag in den Nacken, der ihn zu Boden gehen ließ. Der Araber stürzte sich auf den auf dem Rücken liegenden Air Marshal und versuchte ihn mit seinen Händen am Hals zu fassen, um ihm die Luft abzudrücken. Brown riss beide Knie nach oben und beförderte den Angreifer über sich hinweg. Der Araber krachte gegen die Kabinenwand des Flugzeuges. Als er sich wieder aufrichten wollte, trafen ihn zwei Geschosse in die Brust und blieben in seinem Brustbein stecken. Er war auf der Stelle tot. Der Marshal versuchte mit aller Kraft die Türe zum Cockpit der Piloten zu öffnen und warf sich mit seinem gesamten Körpergewicht dagegen.
Wieder ohne Erfolg!
Dann schoss er mit seiner Waffe mehrfach in die Verriegelung der Türe, die daraufhin aufsprang. Er stürmte in das Cockpit und sah den Copiloten leblos in seinem Sitz liegen. Flugkapitän Dubroux hatte inzwischen den Sturzflug der Maschine eingeleitet und die Erde kam in rasender Geschwindigkeit näher. Brown konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten und umklammerte den Pilotensitz. Er schoss Dubroux in den Hinterkopf, der daraufhin nach vorne sackte und den Steuerknüppel des Flugzeuges blockierte. Verzweifelt versuchte der Air Marshal die Leiche des Piloten aus dem Sitz zu ziehen. Er rief die Flugbegleiterin zur Hilfe. Dann blickten beide aus dem Cockpit und wussten, dass es zu spät war.

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Der Aufschlag der mit 300.000 Liter Flugbenzin Kerosin noch nahezu vollbetankten A 380-800 inmitten der zahlreichen Öl - und Gastanks, industriellen Raffinerieanlagen, Pipelines und Tankerschiffe im Europoort von Rotterdam, löste ein Flammeninferno aus. Neben der Besatzung des Airbusses und allen Flugpassagieren, kamen über eintausend Menschen, Hafen- und Raffineriearbeiter, Geschäfts- und Seeleute und Touristen, die sich im Umfeld der Absturzstelle befanden, im Flammenmeer ums Leben. Die Flammen schlugen bis zu hundert Meter hoch in den Himmel und die Rotterdamer Feuerwehr brauchte eine ganze Woche, um den Brand vollständig unter Kontrolle zu bringen.

Der vom Erdöl abhängigen Weltwirtschaft wurde durch den Terroranschlag ein schwerer Schaden zugefügt. Neben Millionen von Barrels verbrannten Rohöls und Benzin wurde auch ein Großteil der Infrastruktur des Hafens zerstört oder schwer beschädigt. Der Europoort von Rotterdam war für Monate nicht mehr benutzbar. An der Börse verdoppelten sich der Ölpreis und die Preise davon abhängender Produkte von einem Tag auf den anderen. Am Vortag des Anschlags hatte ein bisher unbekannter Hedge-Fond namens „Präludium International“ mit Geschäftssitz auf den Cayman Islands, der an der New Yorker Börse NYTE gehandelt wurde, durch den massiven Aufkauf von Ölwerten auf sich aufmerksam gemacht. Die glückliche Hand der Fondsmanager wurde zum Tagesthema der Analysten und Kommentatoren. Die New Yorker-Börsenaufsicht bezweifelte jedoch so viel Glück und beschloss sich die Manager des Fonds und seine Hintermänner genauer anzusehen.

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Achtzehntes Kapitel 
Präludium International

Die New Yorker-Börsenaufsicht nahm ihre Verantwortung ernst. Sehr ernst sogar, denn sie beauftragte das „Federal Bureau of Investigation“ FBI in Washington D.C., den Hedge-Fond Präludium International genauer zu untersuchen. Der beauftragte Special Agent war eine Agentin und hieß Jennifer Jones. Jones war eine Frau im Alter von dreißig Jahren, die vor ihrer Dienstzeit beim FBI bei der JPMorgan-Bank in New York beschäftigt war. Damit brachte sie alle erforderlichen Qualifikationen mit, um Insidergeschäften und betrügerischen Finanz- und Börsenspekulationen auf den Grund zu gehen.

Jennifer Jones hatte irische Vorfahren und war dafür bekannt, dass sie ihre Arbeit unbeirrbar und gewissenhaft, ohne Rücksicht auf bekannte Personen- und Firmennamen zu nehmen, durchführte. Wie typisch für die Männer und Frauen von der grünen Insel hatte sie grüne Augen und rote Haare. In ihrer Abteilung beim FBI hatte sie den Beinamen „fire head“, „Feuerkopf“, was nicht nur auf ihre Haare, sondern auch auf ihr aufbrausendes Temperament gemünzt war. Ihre Ehe mit einem FBI-Kollegen, Special Agent Sylvester Jones, war nicht von langer Dauer. Bereits nach sechs Monaten hatten die Differenzen und Streitigkeiten ein Ausmaß erreicht, dass beide Partner einvernehmlich beschlossen sich zu trennen, bevor man sich gegenseitig umbringen würde. Sylvester Jones ließ sich in eine Nebenstelle der Agentur nach Phoenix in Arizona versetzen, um eine möglichst große Distanz zwischen sich und Jennifer zu legen. Von der Hauptstadt in die Wüste. Keiner seiner Kollegen konnte verstehen, warum er Washington gegen Klapperschlangen, Skorpione und Gürteltiere eintauschte. Sylvester Jones äußerte sich nicht dazu. Dass eine Klapperschlage im Vergleich zu Jenny das kleinere Übel war, ging schließlich niemanden außer ihm selbst etwas an.

Jennifer Jones hatte sehr schnell herausgefunden, dass mit dem Hedge-Fond Präludium International etwas nicht stimmte. Der Fond war noch jung, hatte aber sehr schnell, sehr viel Geld eingesammelt. Die Fondmanager, Hintermänner und Geldgeber hielten sich bei allen Transferaktionen stets bedeckt im Hintergrund. In der Branche wurde gemunkelt, dass die russische Mafia und terroristische Gruppen ihre Finger mit im Spiel hätten. Neben dem Geschäftssitz auf Grand Cayman, der größten der drei Cayman-Inseln, hatte der Fond ein Managementbüro in der 6th Avenue in New York, ganz in der Nähe der Börse. Das Vermögen des Fonds war auf 30 Milliarden US-Dollar angewachsen und hatte sich durch das Rotterdam-Attentat über Nacht mehr als verdoppelt. Damit reihte er sich in die zehn größten Hedge-Fonds der Welt ein, und das in unglaublich kurzer Zeit.

Dies hatte die FBI-Agentin innerhalb von wenigen Tagen recherchiert und ihrem Vorgesetzten berichtet, ohne jedoch die Hintermänner des Fonds angeben zu können. Sie erhielt von ihrem Abteilungsleiter einen FBI-Kollegen als Partner zugeteilt und den Auftrag, weitere Recherchen in New York auf mögliche Geldwäschegeschäfte des Fonds durchzuführen. Jennifer Jones flog noch am gleichen Tag von Washington nach New York und buchte für eine Nacht ein Hotel ganz in der Nähe der Wall Street. Special Agent Stanley Finch hatte für den Abend jedoch noch andere Pläne und wollte sich mit ihr am nächsten Tag treffen. Dazu kam es nicht mehr, denn man fand ihre Leiche am nächsten Morgen im Hudson-River treibend. Eine Kugel in die Schläfe hatte ihren Nachforschungen und ihrem jungen Leben ein plötzliches Ende bereitet.

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Neunzehntes Kapitel 
Federal Bureau of Investigation

Das Federal Bureau of Investigation FBI ist die bundespolizeiliche Ermittlungsbehörde des Justizministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Hauptsitz der Behörde befindet sich im sogenannten Hoover Building, im Zentrum von Washington D.C. Das mächtige Gebäude ist nach dem legendären, ehemaligen Direktor J. Edgar Hoover benannt, der den Dienst über einen Zeitraum von 48 Jahren leitete und zu hohem Ansehen führte. Zu den Aufgaben des FBI gehören: die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung, der Schutz vor terroristischen Aktivitäten, die Bekämpfung von Drogenhandel und Wirtschaftsverbrechen, sowie die Verfolgung von Spionagetätigkeiten gegen die Vereinigten Staaten. Mit der zuletzt genannten Aufgabe reiht sich die Behörde in die Reihe der US-Nachrichtendienste ein. Zur Abgrenzung gegenüber dem Auslandsnachrichtendienst Central Intelligence Agency CIA, wurden die Kompetenzen des FBI auf das Inland begrenzt.

In der obersten Etage des Hoover-Buildings herrschte heute große Aufregung. Besonders laut ging es in einem Büro zu, an dessen Türe das Schild:
      „Henry W. Boosten, Director“
zu lesen war. Henry Boosten war vor zwei Jahren vom Präsidenten zum FBI-Direktor ernannt worden und stand aufrecht und sichtlich aufgebracht hinter seinem Schreibtisch. Er war ein großer und kräftiger, bullig aussehender Mann in den frühen sechziger Jahren und der FBI-Legende Edgar Hoover äußerlich sehr ähnlich. Auch das berüchtigte cholerische Verhalten seines Vorgängers, schien er von ihm übernommen zu haben. Vor seinem riesigen Schreibtisch mit dem US-amerikanischen Sternenbanner im Hintergrund standen, geschrumpft auf Zwergengröße, der Abteilungsleiter William F. Holsten und der Specialagent Stanley Finch aus Holstens Abteilung.

„Wie kann es sein, dass Specialagent Jones alleine gegen Präludium ermittelte?“, brüllte Boosten mit hochrotem Kopf, sodass es in der gesamten obersten Etage zu hören war.
„Specialagent Finch war ihr als Partner für diese Aufgabe zugeteilt“, erklärte der Abteilungsleiter.
„Und wo war ihr Specialagent Finch, als sie erschossen wurde?“, kam die Antwort vom Direktor, nicht weniger laut als vorher.
„Jennifer Jones hat auf eigene Faust in Kneipen im Umfeld des Managementbüros von Präludium Erkundigungen über die Firma eingezogen, ohne Finch zu informieren!“
„William, es ist ihre verdammte Aufgabe, dafür zu sorgen, dass ihre Leute im Team arbeiten und nicht jeder auf eigene Faust! Haben sie mich verstanden!“
Dass Boosten seinen Abteilungsleiter mit Vornamen ansprach ist in den Staaten üblich, aber noch kein Zeichen einer freundschaftlichen Beziehung. Holsten vermied es in dieser Situation seinen Direktor beim Vornamen zu nennen, sondern antwortete mit der untertänigen, beim Militär üblichen, Anrede „Sir“.
„Yes, Sir! Aber Specialagent Jones war eine schwierige und sehr eigenwillige Persönlichkeit, die sich nicht immer an die Vorschriften gehalten hat.“
„Dann war sie beim FBI auf dem falschen Arbeitsplatz! Und das ist wieder ihre Schuld und ihr Versagen, William!“

Der FBI-Direktor wurde, nachdem seine erste Wut offensichtlich verraucht war, wieder etwas versöhnlicher.
„William, sorgen sie für ein Staatsbegräbnis für Specialagent Jones in Arlington, mit militärischer Ehrengarde und all den Zeremonien, wie üblich. Nutzen sie unsere guten Beziehungen zur Navy. Die haben immer noch die schönsten Galauniformen. Das sind wir Jennifer schuldig.“
„Sir, yes, Sir!“
„Präludium? Wo hat denn dieser mysteriöse Hedgefond seinen Hauptgeschäftssitz?“
„Auf den Cayman Islands, Sir. Genauer gesagt in Georgetown, auf Grand Cayman.”
“Geben sie alle vorliegenden Information und bisherigen Erkenntnisse unverzüglich an unsere Kollegen vom CIA weiter. Die sollen sich der Sache annehmen. That’s it!“
„Yes, Sir!“

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Eine Formation der Ehrengarde der US-Navy stand in ihren Galauniformen vor dem offenen Grab auf den Heldenfriedhof in Arlington. Dahinter hatte sich eine große Anzahl von Trauergästen, darunter der FBI-Direktor Henry Boosten, ihr Abteilungsleiter William Holsten, Stanley Finch, Kollegen, Verwandte, Freunde und Bekannte von Jennifer Jones, versammelt. Die Marinesoldaten standen stramm, präsentierten das Gewehr und feuerten dreimal Salut in die Luft, als der schlichte Sarg, nur geschmückt mit dem Sternenbanner, langsam in das Grab hinab gesenkt wurde. Eine Militärkapelle spielte die amerikanische Nationalhymne Stars and Stripes. Das Umfeld des Grabes war mit zahlreichen Kränzen und Blumen überdeckt. Dabei fiel ein großer Strauß aus feuerroten Nelken besonders auf, auf dessen Banderole geschrieben stand:
      Unforgettable Jenny
      May her soul rest in peace
      Sylvester

Der Mann, der den Strauß abgelegt hatte, verließ etwas früher den Friedhof von Arlington, um sein Flugzeug nach Phoenix in Arizona noch zu erreichen.

Kurzes Cello-Zwischenspiel (Stars and Stripes Forever)                (45 Minuten) 

Zweiundzwanzigstes Kapitel 
Cayman Islands

Andi Baumann und Manuel Christel hatten einen speziellen Auftrag an einem besonderen Ort zu erledigen. Die Information kam von der CIA und betraf einen Hedgefond namens Präludium International. Der Ort nannte sich Cayman Islands und lag in der Karibik, etwa dreihundertfünfzig Kilometer südlich von Kuba. Beide Männer waren begeistert. Sie waren in ihrem Leben noch nie in der Karibik gewesen und sahen darin eine gute Gelegenheit, dem nasskalten Wetter in München zu Anfang des Frühlings zu entrinnen. 
Marlies Wegener lästerte: „Cayman Islands. Hört sich nach Krokodilen an. Die Biester sollen sogar Menschen angreifen und fressen.“ 
Baumann wiegelte ab: „Caymans sind kleine Krokodile, die Menschen nicht angreifen. Sie verwechseln das mit den großen Salzwasserkrokodilen in Australien, Frau Wegener.“ 
Er zündete sich eine Zigarette an. Der Aschenbecher in seinem Büro quoll bereits von Zigarettenkippen über, und die Luft war zum Schneiden dick. 
„Müssen Sie jetzt rauchen?“ 
„Ja.“

Steiner mischte sich in das Gespräch ein: 
„Meines Wissens gibt es in der Karibik überhaupt keine Krokodile. Und Kaiman-Krokodile kommen nur in Südamerika vor. Also, was soll das Gerede und Gezanke! Vor den Krokodilen müsst ihr keine Angst haben, aber vor den Finanzhaien, die sich dort überall herum treiben.“ 
„Die meisten Hedgefonds sind offshore registriert. Auf den Cayman und Virgin Islands sind über die Hälfte der Fondsgelder der ganzen Welt konzentriert. Die unter britischen Schutz stehenden Inseln haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer internationalen Steueroase und einem Umschlagplatz für Geldwäsche entwickelt. Alles weitere über die Cayman Islands, seine Bewohner, die Hauptstadt Georgetown, sowie Banken und Fondsgesellschaften findest du im Dossier, das Marlies mit den Tickets in dein Fluggepäck gelegt hat. Abflug ist morgen abends von Heathrow in London mit der British Airways in der Business Class einer Boeing 747 nach Georgetown auf Grand Cayman. In der Vertretung des MI6 in Georgetown erhaltet ihr von einem Kontaktmann weitere Informationen über Präludium und die wichtigen Personen. Da bekommt ihr auch die Waffen ausgehändigt, die ihr nachher wieder zurück gebt. “

Marlies Wegener dachte an die interne Rechnungsprüfung.
„Hätte es ein billiger Charterflug auf die Caymans für die beiden Herren nicht auch getan?“
Sie handelte sich böse Blicke von Andi Baumann und Manuel Christel ein.
„Für Geheimdienstagenten bestimmt, aber nicht für Geschäftsleute, die mit Millionen von Dollars jonglieren“, antwortete Steiner.

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Vierundzwanzigstes Kapitel 
Georgetown

Beim Landeanflug auf Grand Cayman hatten Baumann und Christel den Eindruck, als würde die Maschine in einer Lagune niedergehen. Erst im letzten Augenblick tauchte die schmale, asphaltierte Landebahn des Flughafens der Insel auf und der Pilot fing die Boeing 747 weich ab und landete sicher.

Andi Baumann und Manuel Christel verließen die Maschine und stiegen die Gangway hinunter, wo sie die heiße, schwüle Tropenluft wie ein Hammerschlag traf. Sie durchliefen schnellen Schrittes das Flughafengebäude und passierten ohne Probleme die Zollkontrolle. Vor dem Gebäude bestiegen sie ein gelbes Taxi, einen Uralt-Ford aus den 80er Jahren mit zahlreichen Roststellen und abgeschabten Sitzen. Der Fahrer, eine Rassenmischung aus mindestens vier Kontinenten, fuhr, ohne zu fragen, in Richtung Georgetown los. Er wusste, dass alle Fremden, die am Flughafen ankamen, in den großen Hotels der Stadt unterkamen. Andi Baumann hatte noch Restalkohol vom Weinkonsum des Vorabends im Flugzeug im Blut und der zum Frühstück getrunkene Champagner verstärkte noch die Wirkung. Er blickte verwirrt aus dem Fenster des Fahrzeugs und schimpfte:
„Der Kerl fährt auf der falschen Straßenseite, aber glücklicherweise tun das alle anderen Autos auch.“
Christel erklärte Baumann, dass auf den Cayman Islands, wie im Mutterland England, Linksverkehr herrscht. Aus dem Radio dröhnte laute Reggae-Musik. Das Taxi passierte kleine, bunte Häuser mit Garagen und kleinen Gärten, die zumeist aus gepflegten Rasenflächen bestanden. Je mehr sich das Fahrzeug der Stadt näherte, umso größer wurden die Gebäude und Wohnblöcke. Zahlreiche Läden und Restaurants säumten links und rechts die Straße. Im Zentrum von Georgetown dominierten riesige Hotelbauten und moderne Bank- und Verwaltungsgebäude das Straßenbild. Die mondänen Bankgebäude veranlassten Baumann zum Vergleich, dass früher die Piraten der Karibik ihre Schätze hier versteckt hätten und dies heute Finanzhaie und Steuerflüchtlinge aus aller Welt tun. Baumann und Christel waren im Sheraton untergebracht, dem besten und teuersten Hotel der Stadt.
Baumann begab sich ins Foyer und gönnte sich zuerst ein kühles Bier, das die Einheimischen Red Stripe nannten. Verglichen mit dem bayerischen Bier erschien es ihm ziemlich wässrig. Es war eher vergleichbar mit dem amerikanischen Budweiser-Dünnbier, das er in den Staaten immer trinken musste. Aber besser als Wasser war es allemal noch!

Die beiden Deutschen schlenderten durch die Innenstadt zum Hafen von Georgetown.
„Hast du schon einen Finanzhai gesehen“, fragte Christel.
„Nein. Die sieht man auch nicht, da sie zumeist im tiefen Gewässer schwimmen, unsichtbar von oben. Dann kommen sie plötzlich an die Oberfläche, schnappen sich die Beute und tauchen gleich wieder ab. Ganz wie die echten Haifische!“

Der Abend des Tages in Georgetown endete für Baumann und Christel wie für viele der vorwiegend englischen Touristen, die die Stadt besuchten: mit karibischem Rum und einem schweren Kater am nächsten Morgen.
„Was ist eigentlich in diesem Teufelszeug drin, dass es solche Kopfschmerzen am nächsten Tag verursacht?“, fragte Andi Baumann.
Manuel Christel wusste darauf auch keine Antwort.
„Der Chef nimmt immer Alka Seltzer und Aspirin mit Vitamin C als bewährtes Hausmittel am Morgen danach“, sagte er. Beide wussten, dass heute vormittags im Gespräch mit dem Präludium Hedgefond ihre volle Aufmerksamkeit und Wachsamkeit gefordert war. Aber sie konnten nicht wissen, dass sie bereits erwartet wurden.

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Fünfundzwanzigstes Kapitel 
The Deal

Das Hausmittel vom Chef und eine kalte Dusche hatten die beiden wieder zu den Lebenden zurück befördert. Sie kleideten sich wie seriöse Geschäftsleute mit dunklem Anzug und Krawatte, auch wenn sie fürchterlich darunter schwitzten. Hier auf der Insel der dubiosen Geldgeschäfte galt mehr als anderswo der Sinnspruch „Kleider machen Leute“. Wie von Steiner empfohlen, besuchten sie zuerst die Kontaktperson zum MI6 in der britischen Vertretung in Georgetown. Der Mann nannte sich Vincent, war ein Einheimischer und stammte aus einer Fischerfamilie von Brac Cayman. Sein Auskommen als Fischer war jedoch mehr schlecht als recht gewesen, sodass es für den britischen Geheimdienst ein Leichtes war, ihn anzuwerben. Er hatte in Georgetown einen ruhigen Job, denn für die Cayman Islands interessierten sich mehr die Steuerfahnder der Länder, als deren Geheimdienste. Vincent nannte ihnen die Adresse des Geschäftssitzes von Präludium, die beteiligten Personen und händigte ihnen ihre Bewaffnung, zwei Glocks und dazu die passende 9-Millimeter Munition aus. Er machte dabei einen nervösen und unsicheren Eindruck, was Baumann unangenehm auffiel.
„Mit dem Kerl stimmt was nicht“, flüsterte er Christel ins Ohr.
Andi Baumanns Instinkt war sehr gut ausgebildet und nahezu legendär. Er war für ihn ein feines, zuverlässiges Instrument, das auch kleinste Abweichungen vom Normalfall registrierte und sofort Alarm schlug, wenn etwas nicht stimmte. Baumann behauptete, er könne es sogar riechen, ob ihm gegenüber jemand freundlich oder feindlich gesinnt ist.
Christel hielt das für übertrieben.
„Vielleicht ist er nur nervös, weil er mal etwas zu tun hat. Kommt hier wohl nicht allzu oft vor“, antwortete Manuel Christel.
„Wir müssen wachsam und auf alles vorbereitet sein“, entgegnete Baumann, während sich beide auf den Weg zur genannten Adresse des Hedgefonds machten.
„Ich sage alles und ich meine alles!“

Der Fonds war in einem der mondänen Bankgebäude in der Innenstadt untergebracht. Baumann betätigte die Klingel aus Messing mit der Aufschrift „Präludium International“ am Eingang des Gebäudes.
Eine Frauenstimme aus dem Lautsprecher fragte nach den Namen der Besucher.
„The business men from Germany are here“, antwortete Baumann mit betont geschäftsmäßiger Stimme.
“Please, come in”, tönte die Antwort.
Baumann und Christel benutzten den gläsernen Aufzug, der sie zu den Geschäftszimmern des Fonds in der siebten Etage brachte. Nach mehrmaligem Klingeln wurde die Türe geöffnet. Die Frauenstimme von der Klingel an der Eingangstüre gehörte einer Mittvierzigerin, die die beiden Deutschen mit britischer Zurückhaltung im Vorzimmer empfing. Sie war offensichtlich eine Engländerin und stellte dar, was Baumann als typische Karrierefrau bezeichnete: ganz Karriere und wenig Frau. Sie trug eine regenbogenfarbige, katzenaugenähnliche, geschwungene Brille amerikanischen Designs, ein graues, hochgeschlossenes Kostüm mit schwarzen, flachen Schuhen und hatte ihre blonden, kurzgeschnittenen Haare streng nach hinten gekämmt. Mit einer schroffen Handbewegung wies sie den Besuchern den Weg zum Geschäftszimmer. Baumann und Christel traten durch die Türe.
Am Schreibtisch vor ihnen saß ein kräftiger, dunkelhäutiger Mann in einem schwarzen Anzug mit auffällig breiten Silberstreifen, der eine Beretta mit aufgezogenem Schalldämpfer auf sie gerichtet hielt. Andi Baumann reagierte blitzartig. Der ehemalige Elitesoldat der Bundeswehr mit Einzelkämpferausbildung stieß Christel zu Boden und hechtete mit einem Sprung unter den Schreibtisch. Dort bekam er die Beine des Mannes zu fassen und riss ihn vom Stuhl. Er stürzte sich auf ihn und schlug ihm die Waffe aus der Hand. Die beiden Männer wälzten sich keuchend auf dem Boden. Baumann lag auf dem Rücken und schien gegen den bärenstarken Mann zu unterliegen. Da zog er sein linkes Bein mit der Holzprothese mit aller Kraft nach oben, traf den Mann gegen den Hinterkopf und setzte ihn außer Gefecht. Durch den Kampflärm aufmerksam geworden, riss die Sekretärin die Türe zum Geschäftszimmer auf und stürmte mit gezogener Waffe in der Hand in den Raum. Sie feuerte sofort auf Baumann, der sich jedoch hinter dem Schreibtisch in Sicherheit bringen konnte. Manuel Christel schoss dreimal mit seiner Glock. Die Frau stürzte tödlich in Brust und Kopf getroffen zu Boden. Der dunkelhäutige Mann war wieder zu sich gekommen und griff nach seiner Beretta am Boden. Baumann schoss nur einmal. Das 9-Millimeter Geschoss der Glock traf den Mann genau zwischen die Augen. Er war sofort tot.
„Manchmal ist ein Holzbein auch zu etwas nützlich“, sagte Baumann und grinste. Sie vergewisserten sich noch, dass sich keine weiteren Personen im Büro aufhielten und rafften alle Unterlagen zusammen, die ihnen wichtig erschienen, um den wahren Geschäftszweck des Fonds aufdecken und die Hintermänner entlarven zu können. Dann schlossen sie die Türe ab und verließen unauffällig das Gebäude. Sie nahmen ein Taxi zum Hotel, packten ihre Sachen zusammen, checkten aus und fuhren auf dem schnellsten Weg zum Flughafen, um den nächsten Flug nach London noch zu erreichen. Ihre Waffen hatten sie nicht zurück gegeben, sondern mitsamt der Munition im blauen Wasser des Karibischen Meeres versenkt. Sie wollten den Kontakt mit der örtlichen Polizei unbedingt vermeiden, um nicht festgehalten und mit unangenehmen Fragen konfrontiert zu werden. Manchmal sollte auch etwas geheim bleiben, was als geheime Mission geplant war. Dafür war man ja schließlich Geheimagent.
„Was geschieht mit Vincent“, hatte Manuel Christel noch gefragt.
„Das erledigen andere für uns später“, gab Baumann zur Antwort.

Kurzes Cello-Schlussspiel (60 Minuten)