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Lesung aus dem Buch "Todesboten ohne Willen" von REMUR

 

Politische Gefangene in einem Straflager in Nordkorea bewegen sich wie Roboter. Ihnen war ein Chip in das Großhirn implantiert worden, der ihre Nervenströme übersteuert und sie zu willenlosen Befehlsempfängern macht. Kim Il-sung, der „Große Führer“ von Nordkorea und Kopf des internationalen Terrorismus, plant, ferngesteuerte Saboteure und Sprengstoffträger in die politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Steuerzentralen der freien Welt einzuschleusen. Sein Ziel ist die Übernahme der absoluten Macht und Herrschaft über die Welt. Dr. Martin Steiner vom BND kämpft an vorderster Front gegen den Terrorismus und wird selbst zu einem willenlosen Werkzeug des „Großen Führers“.


 
Prolog

Najin, Demokratische Volksrepublik Korea, 15. Mai 2017
Das Lager für politische Häftlinge im Süden der nordkoreanischen Stadt Najin nahe der Grenze zu Russland ist ein trostloser Ort in einer verlassenen Gegend. Die Gefangenenlager in Nordkorea werden von westlichen Beobachtern als „hidden gulags“ bezeichnet, da sie versteckt in unzugänglichen Gegenden liegen und den Erziehungs- und Arbeitslagern des Diktators der ehemaligen Sowjetunion Josef Stalin ähneln. Das Lager von Najin ist in Geheimdienstkreisen unter der Nomenklatur „Najin Prison Nr. 8“ bekannt und registriert. Zum Lager führt eine nicht befestigte Nebenstraße, die von der Hauptstraße nach Vladivostok, dem großen russischen Seehafen am Japanischen Meer, abzweigt. Der Weg ist für Zivilfahrzeuge gesperrt und wird ausschließlich von Militärfahrzeugen benutzt. Das Lager besteht aus einem Dutzend primitiver Baracken und ist von einem hohen Stacheldrahtzaun und Wachtürmen umgeben. Bewacht wird es von nordkoreanischen Soldaten mit Kalaschnikow AK 74 Sturmgewehren, die, unregelmäßig, Kontrollgänge mit speziell ausgebildeten Hunden um das Lager durchführen. Ab und zu sind neben koreanischen Stimmen immer wieder auch Befehle auf Russisch zu hören. Im „Najin Prison Nr. 8“ spielen sich seltsame Vorgänge ab. Die Köpfe der Häftlinge sind kahl geschoren. Mit ihrer einheitlichen, grau-weiß-gestreiften Sträflingskleidung sind sie voneinander kaum zu unterscheiden. Sie bewegen sich wortlos und in einer Uniformität, die sie mehr Roboter als Menschengleichen lässt. Tatsächlich gehorchen sie einem fremden Kommando, das ihnen in ihr Gehirn eingespeist wird. Verantwortlich dafür ist ein Mikrochip, den man ihnen in den motorischen Cortex ihres Vorderhirns implantiert hatte, um mittels elektrischer Impulse ihre Nervenströme zu manipulieren. Der nordkoreanische Kommandant des Lagers und ein hoher russischer Offizier beobachten die gespenstische Szene mit offensichtlicher Zufriedenheit.
„Gehen Sie jetzt auf die Vorprogrammierung im Chip“, fordert der Russe den Nordkoreaner auf. Der Lagerkommandant beendet den Gesprächsmodus eines handelsüblichen Nokia-Handys, welches er in seiner linken Hand hält. Er tippt einen Zahlencode ein und schaltet das Gerät aus. Die Häftlinge bewegen sich im vorprogrammierten Modus des Mikrochips weiter im Gleichschritt, ohne dass eine Änderung eintritt. Plötzlich jedoch bleibt einer der Gefangenen stehen, blickt verwirrt um sich, schert aus der Kolonne aus, um sich dann mit einem wilden Aufschrei auf die beiden Beobachter zu stürzen. Noch bevor er diese erreichen kann, zerfetzt eine Maschinengewehrgarbe seinen Körper. Er bäumt sich auf, stürzt zu Boden und bleibt in einer immer größer werdenden Blutlache zu Füßen der beiden Männer liegen.
„Entschuldigen Sie, Herr General, wir haben bei der Umstellung im Modul von Sendebetrieb auf die Vorprogrammierung immer wieder Fehlfunktionen und Aussetzer. Aber Ihre Wissenschaftler in Moskau arbeiten bereits daran“, erklärt der Nordkoreaner ohne jegliche Gefühlsregung.

Kurzes Cello-Zwischenspiel

Erstes Kapitel 
Folter und Tod

Pjöngjang, 25. Mai 2017
Park Chung-hee kommt zu sich. Er befindet sich, an Händen und Füßen gefesselt, in einem kahlen, kalten Kellerraum ohne Fenster und liegt mit dem Gesicht auf dem Boden. Als er seinen Kopf etwas anhebt, sieht er zwei Militärstiefel, die direkt vor seinem Gesicht stehen. Er hat kaum eine Bewegung gemacht, als ihn eine Stiefelspitze mit aller Wucht in der Seite trifft, sodass er vor Schmerzen aufschreit. Seinem Bewacher, dem die Stiefel gehören, scheinen seine Schreie zu noch mehr Brutalität zu stimulieren, denn er tritt jetzt noch heftiger zu, bis Chung-hee nur noch wimmert. Zwei Soldaten eilen herbei und heben ihn vom Boden auf. Sie setzen ihn auf einen Stuhl vor einem Tisch. Der Südkoreaner blickt sich vorsichtig im Raum um und sieht ein trapezförmiges Gestell, ähnlich einer Papageienschaukel, das von der Decke fast bis zum Boden hängt. In der Ecke des Raumes befindet sich ein Bettgestell, dessen Lattenrost ganz aus Metall besteht. Er kann nun auch erkennen, wer der Mann mit den Stiefeln ist, der ihn fast bis zur Bewusstlosigkeit getreten hatte. Sein Folterknecht ist Mitglied des gefürchteten nordkoreanischen Staatssicherheitsdienstes im Range eines Offiziers. Park Chung-hee erkennt, dass die Tritte nur der Auftakt eines nachfolgenden, schmerzhaften Verhörs sind.
„Wie heißt du?“
Der südkoreanische Agent antwortet nicht.
Ein heftiger Faustschlag ins Gesicht, der sein Nasenbein zertrümmert, ist die Folge.
„Wie heißt du?“
Chung-hee nennt seinen Tarnnamen.
Der nächste Fausthieb trifft ihn mitten auf die bereits zertrümmerte Nase. Er schreit vor Schmerzen laut auf.

Die beiden Soldaten entkleiden ihn bis auf die Haut, packen seinen Körper und hängen ihn kopfüber, mit zusammen gefesselten Händen und Füßen, an den Unterschenkeln in das Trapez. Der punktuelle Druck seines Körpergewichts auf die Unterschenkel führt bei Chung-hee bereits nach kurzer Zeit zu unerträglichen Schmerzen. Seine Nacktheit und seine Wehrlosigkeit machen ihm die Hilflosigkeit seiner Lage bewusst und führen zu einer starken psychischen Erniedrigung. Diese Foltermethode, als „Boger-Schaukel“ bekannt, wurde erstmals bei Verhören von Gefangenen im KZ Ausschwitz angewandt und ist nach seinem Erfinder, dem SS-Oberscharführer und Leiter der politischen Abteilung der Nazis, Wilhelm Boger, benannt.
„Wie heißt du wirklich?“
Keine Antwort.
Der Offizier gibt den Soldaten eine kurze Anweisung, die daraufhin Chung-hee mit einem Bambusstock auf die Geschlechtsteile, den Rücken und die Nieren schlagen.
Der Agent schreit auf, schweigt aber weiterhin.
Der Geheimdienstoffizier gibt den Soldaten ein Zeichen, die daraufhin die Schläge mit noch größerer Wucht fortführen.
Park Chung-hee fällt in eine tiefe Bewusstlosigkeit. Die Soldaten befreien ihn aus der Schaukel und legen seinen Körper auf das Metallbett in der Ecke des Raumes. Sie zurren ihn mit einem Lederriemen über der Brust und den Oberschenkeln am Gestell fest. Der südkoreanische Agent wird mit Wasser übergossen, bis er wieder zu sich kommt. Die Soldaten bringen gezackte Stahlklemmen, Krokodile genannt, an seinem Penis und Hodensack an. Die Anschlusskabel führen zu einem elektrischen Transformator in der Ecke, auf dessen Typenschild der Firmenname „General Electric“ noch zu lesen ist. Der Offizier bedient einen Hebel am Transformator und ein Stromstoß jagt durch Chung-hees Körper, wobei die Nässe die elektrische Wirkung noch verstärkt. Chung-hee schreit laut auf, als der Strom wie ein spitzer Messerstich durch seine Geschlechtsorgane fährt. Er krümmt sich vor Schmerzen und versucht sich aufzubäumen, doch die Gurte halten ihn fest auf dem Bett fixiert.
„Wie ist dein richtiger Name?“
„Woher kommst du?“
„Wer hat dich geschickt?“
„Was ist dein Auftrag?“
„Gibt es noch andere Agenten?“
„Wo finden wir sie?“

Die Fragen prasseln auf den Südkoreaner ein und er beantwortet sie alle mit einer einzigen Ausnahme. Auf die Frage nach möglichen, weiteren CIA-Spionen in Nordkorea, konnte er keine Antwort geben. Der Offizier erhöht am Drehregler schrittweise die Spannung und stellt immer die gleiche Frage, ohne eine Antwort zu bekommen. Was er nicht wissen konnte ist, dass es zu den Grundsätzen der CIA-Doktrin gehört, wonach jeder Agent in Nordkorea auf eigene Faust und Risiko handelt und von der Existenz anderer Kollegen nichts weiß. Diese Maßnahme rettet dem zweiten amerikanischen Spion in Pjöngjang das Leben, für Park Chung-hee aber ist sie das Todesurteil.
Im Angesicht des Todes kommen dem jungen Südkoreaner Bilder aus seinem Soldatenleben bis zu seiner Gefangenschaft ins Gedächtnis. Warum hat er sich nur auf diesen Auftrag eingelassen?

Kurzes Cello-Zwischenspiel

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